Für eine Umwelt-Ausgleichsmaßnahme waren 700 junge Sträucher und 40 Eichen zuviel angeschafft worden. Dem sichtlich überraschten Leiter des Hegerings Schüttorf, Ludger Sundag, wurden die Pflanzen zum Kauf angeboten.
„Da musste ich nicht lange überlegen“, berichtet Sundag und stellt fest „Lebensraumverbesserung mit diesen Sträuchern, noch dazu kostengünstig, ist für uns Jäger immer eine gern gesehene und willkommene Chance“.
Die Gehölze – in der Masse Faulbaum, Ebereschen und einige Eichen – mussten noch vor Jahresende und der bevorstehenden Frostphase eingeschlagen werden, bevor sie dieser Tage an Jäger und Reviere abgegeben werden konnten. In Absprache mit seinem Vorstand hatte Sundag vorgeschlagen, dass die Pflanzen aus der Hegeringkasse bezahlt werden sollten. „So kommen die Gehölze, alles heimische Arten, der Obergrafschaft mit ihren unterschiedlichen Lebensräumen und damit der heimischen Tierwelt zugute“, freut sich der Hegeringleiter aus Samern.
In Mitteleuropa ist der Faulbaum ein sehr wichtiges Strauchgehölz für Insekten und Vögel, das Hecken und Waldrändern Struktur gibt. Die sehr lange Blütezeit von etwa Mai bis in den Spätsommer liefert kontinuierlich Nektar und Pollen für Wild- und Honigbienen, Wespen, Fliegen und Käfer. Die Blätter dienen zahlreichen Schmetterlingsraupen als Futter, so zum Beispiel dem Zitronenfalter oder dem Faulbaum-Bläuling, dessen Raupen darauf angewiesen ist. Im Spätsommer und Herbst fallen Singvögel wie Drosseln, Mönchsgrasmücken und Rotkehlchen über die Beeren her, die als wichtige Energiequelle dienen. Samen und Früchte bieten Kleinsäugern wie Mäusen besonders im Winterhalbjahr Nahrung. In naturnahen Hecken sorgt der Faulbaum für vertikale Strukturvielfalt. Das verbessert das Mikroklima und schenkt vielen Organismen Lebensraum.
Auch die Eberesche oder Vogelbeere ist in Mitteleuropa ökologisch eine bedeutende Pionierbaumart. Für zahlreiche Tierarten stellt sie eine Schlüsselressource dar. Vögel wie Drosseln, Rotkehlchen oder Kleiber tun sich an den Früchten gütlich und nutzen den Baum zugleich als Nist- und Sitzgehölz. Etwa 70 Insekten- und gut 30 Säugetierarten nutzen Blätter, Blüten, Rinde oder Früchte als Nahrung, darunter Käfer, Schmetterlinge, Nager, Füchse oder Reh- und Rotwild. Nach dem Fressen der Beeren, botanisch einer Kernobst-Art, werden bei der Darmpassage keimhemmende Stoffe abgebaut und das Keimen im Boden gefördert. Als Pionierbaum besiedelt die Eberesche Freiflächen, Kahlschläge und Kalamitätsflächen. Sie bildet einen Vorwald, unter dem schattentolerante Arten wie Buche und Tanne nachwachsen können. Die Eberesche ist eine der am weitesten verbreiteten Baumarten Europas und standortökologisch äußerst tolerant. Dies macht sie für viele Lebensräume geeignet.
Auch die beiden in Mitteleuropa heimischen Eichenarten – Stiel- und Traubeneiche – sind Schlüsselarten hiesiger Wälder. Über ihre lange Lebenszeit binden sie 3 – 7 Tonnen Kohlendioxid (CO2) und geben zugleich Sauerstoff (O2) ab. Dies macht sie zu kompetenten Kohlenstoffspeichern, die Ökosysteme fördern. Als Tiefwurzler schützen Eichen vor Erosion, verbessern die Wasserspeicherfähigkeit der Böden und versorgen die Humusschicht mit Laub.
Wie Faulbaum und Eberesche auch, dienen Eichen Hunderten von Tierarten als Lebensraum und Nahrungsquelle: Über 400 Schmetterlingsarten leben auf und von ihnen, etwa 1.400 Käferarten, sowie Vögel wie der Eichelhäher oder Säugetiere wie Eichhörnchen, Rot-, Rehwild oder Wildschweine, die die Eicheln fressen. Auch Ameisen, Reptilien wie Schlangen oder Fledermäuse finden an und unter Eichen ihren Platz.
„Wenn alle Pflanzen angehen“, freut sich Sundag erwartungsvoll, „haben wir Jäger richtig gehandelt und Lebensräume für unsere heimische Tierwelt aufgewertet.“









